9. September Grenzübergang nach Botswana
Heute sind wir über die beeindruckende neue Brücke, die das Länderdreieck Sambia, Botswana und Simbabwe verbindet, in Botswana eingereist.
Das Abfertigungsgebäude ähnelt einem Flughafen Terminal; es wurde erst im Mai dieses Jahr
in Betrieb genommen. Alles total modern! Die Angestellten üben allerdings noch, Einrichtungsgegenstände und z. B. Computer stehen noch verpackt herum. Auch so etwas wie ein Kugelschreiber muss erst gesucht werden. Der afrikanische Charme lebt auch in diesem Hochglanzterminal.
In Botswana gelten strenge Corona - Vorschriften. Alle tragen - auch im Freien - eine Maske. Selbst Bauarbeiter bei der Arbeit. Es galt bis vor kurzem ein striktes Alkoholverkaufsverbot und nächtliche Ausgangssperre.
Heute sind wir in der Chobe River Lodge und ab morgen für etwa 10 Tage in der Wildnis auf Safari. Aufgrund der geringen Anzahl von Touristen können wir Strecken befahren, die sonst nur dem Luxustourismus vorbehalten sind. Wir freuen uns darauf!
Zutraulich Begrüßung bei der Ankunft im Chobe Camp. Ein Buschböckin mit Sohn ;)
Aus dem "Busch" zurück... aber der Reihe nach!
Chobe Nationalpark
Der Chobe Park ist berühmt für seine Artenvielfalt in faszinierender Flusslandschaft. Große Antilopen- und Elefantenherden ziehen am idyllisch meandernden Chobe entlang. Dazu zahlreiche Hippos, Krokodile, unglaublich viele verschiedene Wasservögel und auch Großkatzen, wie Leoparden und Löwen. Nachts hört man das "Lachen" von Hyänen.
Dieser Park ist normalerweise sehr stark besucht. Und so genannte Selbstfahrer, wie wir sind nicht so gern gesehen. Für sie gilt eine zeitlich beschränkte Eintrittszeit in den Park. Die Luxustouristen, die mit dem Flugzeug einfliegen und in den tatsächlich märchenhaft ausgestatteten Lodges unterkommen, sind hier gerne für sich. Aber coronabedingt ist wenig los und so kommen wir in den Genuss alles uneingeschränkt befahren zu können.
Kaum im Park stoßen wir auf 5 Löwen, Junggesellen, die sehr verschmust miteinander umgingen.
Herzliche Begrüßung.
Und Hippos zeigen uns den kalten.....
Mit diesem Burschen möchte man sich nicht anlegen. Es ist interessant dabei zuzusehen, wie er kleine Wurzeln aus dem sandigen Boden ausgräbt und sie genüsslich verspeist.
Rolfs spezielle Freunde! Die frechen Äffchen sind fast überall anzutreffen. Falls Sie nicht gerade "umgesiedelt" wurden. Umgesiedelt ist in den Camps der Begriff für ausgerottet durch Abschießen? Jedenfalls gibt es in einigen Camps weder Meerkatzen noch Paviane.
Elefantenbegegnungen sind am Chobe garantiert! Einmal mussten wir den Rückzug antreten, weil uns die Dickhäuter nicht passieren ließen.
Giraffen sind Tiere, die sich sehr elegant, ja graziös bewegen. Beim Trinken müssen sie ihre Vorderbeine allerdings weit spreizen, damit sie ans Wasser kommen. Das sieht alles andere als elegant aus. Dass Giraffen Gras fressen, hatten wir bisher noch nicht gesehen!
Dieser große Pavian, Baboon, ist der Chef einer Affenbande und macht ziemlich den "Dicken". Seit geraumer Zeit hatte er uns bereits beobachtet und als Rolf das Camp kurz verlassen hat, hat er die Gelegenheit genutzt, mir auf der Nase, bzw. auf unserem Toyo herum zu tanzen. Mit meiner Körpergröße konnte ich ihn offenbar nicht beeindrucken und auch meine Drohgebährden prallten an ihm ab. Da er unser Auto besetzt hatte, konnte ich schlecht mit Steinen werfen... Er hat versucht, in den Wagen zu kommen. Gegen die Scheiben gehauen, an der Tür gefummelt und schließlich wollte er das Dachzelt aufreißen. Ich konnte ihn zwar vom Schlimmsten abhalten, aber nicht vertreiben. Als Rolf zurück kam... mit Zwille und Stärke imponierte, trollte er sich endlich.
Wir haben daraus gelernt, dass wir unser Dachzelt nicht unbeaufsichtigt aufgestellt lassen können. Die großen Baboons finden Wege in Fahrzeuge zu kommen um diese "auszuräumen".
Morgen zwitschere ich weiter, für heute ist Feierabend!
Ihaha Camp
Unterkunft im Ihaha Camp im Chobe Park, direkt am Flussufer. Abends zieht eine Herde Elefanten durch den Fluss, unmittelbar an unserem Camp vorbei. Großartig zu verfolgen, wie sie prustend und schnaubend das Wasser genießen. Das sind echt animalische Geräusche! Sorgsam nehmen sie die jungen Tiere zwischen sich. Krokodile verfolgen das Geschehen knapp unter der Wasseroberfläche. Aber sie haben keine Chance gegen die geballte Kraft der Herde.
Und danach dieser Sonnenuntergang. Glücksmomente!
Nach 3 Tagen im Ihaha Camp Weiterfahrt zum legendären Savuti Camp.
Savuti, die Herausforderung schlechthin für jeden 4x4 Fahrer! Tiefsandpisten, die es in sich haben. Nichts für Zauderer. Belohnt wird man mit urwüchsiger Natur, fernab der Zivilisation.
Anfahrt zum Camp. Pisten wie diese, häufig schmaler mit nur einer Spur, bei der Ausweichmanöver gelegentlich spannend sind, müssen über 70 Kilometer gemeistert werden. Ein kleines Stück Teerstraße ist dabei, eine Transitverbindung zwischen den Nationalparks. Kurz durchatmen. Ansonsten fühlt man sich wie auf einem Schiff, der Toyo tanzt auf und zwischen den Sandspuren.
Aufmunternde Hinweise!
Savuti erreicht!
Der Sanitärbereich ist gesichert wie Fort Knox. Elefanten zogen regelmäßig durchs Camp und haben die bisherigen Duschanlagen auf der Suche nach Wasser zerstört.
Und die Wasserzapftstellen sind affengesichert... obwohl es hier gar keine Affen - zumindest - im Camp gibt!
Zum Zapfen von Wasser muss man den Arm in eine etwa 30 Zentimeter lange Röhre stecken, in der sich der Wasserhahn befindet. Vorher guckt man hinein, ob sich nicht bereits "etwas" in der Röhre befindet und auf den ausgestreckten Arm wartet.
Wenn alles nach Plan läuft, sprudelt an einer Seite frisches Quellwasser aus dem Hahn.
Wir sind im Paradies! Ein schöner Platz mit Aussicht auf den - zurzeit trockenen - Savuti Channel. Rings um lila blühende Bäume.
Einige Büffel in der ausgetrockneten Buschlandschaft.
Das allabendliche Lagerfeuer wird gerichtet. Bevor das klappt, muss man zumindest den kleinen Lagerfeuer - Führerschein haben ;)
Eine Panne während der Nachmittagspirschfahrt beschert uns eine Nacht im Busch. Ohne Vorwarnung streckte der Toyo beim Schalten die Füße. Nichts ging mehr, die Räder standen still. Und das in einer ziemlich abgelegenen Gegend des Parkes. Schöner Mist!
Was macht man in so einer Situation? Klaren Kopf behalten, Lage beurteilen und dann erst mal einen Sundowner trinken.
Ein einsamer Elefant und ein ebenso einzelner Büffel kommen vorbei, sonst keine Tierbegegnungen.
Nachts im Busch. Wir kriechen ins Dachzelt, obwohl sich der Schlaf nicht wirklich einstellen will. Unsere größte Sorge richtet sich an den Zustand des Wagens. War's das?! Der Toyo ist nicht mehr der Jüngste und dass er sich nun rein gar nicht mehr bewegen will, sorgt uns sehr.
Weiter überlegen wir, ob und wie man uns im Busch aufspüren kann. Im Camp wird man doch wohl bemerkt haben, dass wir "fehlen"!
Internet gibt's hier nicht!!!
Man hat uns nicht vermisst! Unsere Bemühungen auf uns durch SOS Hupen aufmerksam zu machen, hatten auch keinen Erfolg.
Also haben wir am nächsten Tag abgewartet, bis die Sonne hoch stand und sich die Tiere im Park zum Mittagsschläfchen zurückgezogen haben. Dann sind wir mit Wasser, Fernglas und Navi bewaffnet strammen Schrittes Richtung Camp marschiert. 4,4 Kilometer. Gut Adrenalin im Umlauf! Auf der Hälfte des Weges haben wir Rose und Dirk, ein junges Paar aus Canada getroffen. Gerettet.
Der Toyo musste abgeschleppt werden. Hinter einen kräftigen Trecker gespannt über die holprige Tiefsandpiste bis zum Camp.
Zum Glück gibt's in Savuti kompetente Buschmechaniker.
Überglücklich waren wir, als feststand, dass es sich um eine Kleinigkeit handelte, die zu der Panne geführt hatte. Kleine Ursache, große Wirkung.
Eine Verbindung zwischen dem normalen Getriebe und dem 4x4 war abgesprungen, sodass sich die Schaltung im neutralen Bereich befand.... das ist wohl sehr laienhaft ausgedrückt. Der Buschmechaniker holte einen Draht aus der Tasche, kurzes Hantieren, fertig. "Damit könnt ihr jetzt bis nach Deutschland fahren".
Nach einem Tag Entspannung im Camp schauen wir uns noch einmal im Park um. Trotz der Trockenheit mit wenigen Wasserstellen sehen wir erstaunlich wenig Wild. Hier eine kleine Gruppe meiner Lieblingstiere, Gnus.
Große Trappen schreiten elegant dahin. In der trockenen Steppe verschmelzen sie fast mit der Landschaft.
Quirlige Mangusten buddeln, was die Krallen hergeben. Immer auf der Hut, meistens mit dem Kopf im Sandloch.
Stimmungsvoller Sonnenuntergang mit Kudu am Wasserloch.
Ausfahrt aus Savuti, noch mal 70 Kilometer Sandpiste und Teepause.
Nach der Sandpiste, in Kachikau am Chobe Swamp, treffen wir auf eine riesige Kolonie von Pelikanen. Hunderte oder noch mehr!
Jeder Schnabelstoß ins Wasser bringt Beute!
Ein vorbeikommender Einheimischer erklärt uns, dass die Pelikane einfliegen, wenn der Wasserstand in den Sumpfgebieten am Chobe River niedrig ist und die zahlreich vorkommenden Fische gut auszumachen sind.
Wir beobachten, wie die großen Vögel mit ihren Körpern Barrieren errichten, um die Fische einzukesseln. Dann beginnt das große Fressen. Würde die Sonne nicht gerade senkrecht am Himmel stehen, hätten wir es hier noch lange aushalten können.
Auf die schlappen Puschen, die wir für das Befahren der Sandpiste brauchten muss jetzt wieder Luft!
Zurück in der "touristischen" Zivilisation. Station in der Chobe Lodge in Kasane.
Bei der Rückkehr in die Chobe Lodge gesellen sich die Buschböcke wieder zu uns. Zutraulich Wie Haustiere.
Immer wieder interessante Begegnungen.
Sylvi und Mike aus Südafrika, sie wohnen in der Nähe des Kruger Parks.
In allen Camps kommt man schnell mit Menschen ins Gespräch. Vorwiegend sind junge, sowie ältere Paare unterwegs und gelegentlich treffen wir allein reisende Herren. Wie Youssef, der Fahrradfahrer aus Marokko oder Arndt, der Motorradfahrer aus Hamburg. Eigentlich wollte er nach Indien... wir treffen ihn auf dem Weg nach Kapstadt. Erik, Autor bei tracks4africa und Jaques, Manager mit einem Arbeitsvertrag, der ihm jährlich mehrmonatige Auszeiten garantiert. Beide aus Belgien. Die Belgier scheinen sowieso reisefreudig zu sein. Sie sind hier häufig anzutreffen.
An den Wochenenden nutzen lokal ansässige Familien die Camps für einen Ausflug. Auch immer wieder interessant.
Es lässt sich aushalten. Blick auf den Sonnenuntergang am Chobe River. Am anderen Ufer die sambischer Seite.
Da wir von unserem ursprünglichen Reiseplan (weiter auf Sand-und Salzwüstenpisten durch Botswana) abgewichen sind, verbringen wir weitere Tage rund um den Chobe River.
Hier ist es wunderschön und bevor der Toyo nicht gründlich in einer Werkstatt durchgecheckt ist, wollen wir ihm keine weiteren Strapazen zumuten. Und uns auch nicht ;)
Wir machen Halt in dem legendären Senyati Busch Camp. Guter Stellplatz mit eigenen Sanitäranlagen, Strom und stundenweise WiFi.
Elefantenbeobachtungen garantiert!
Elefanten ganz nah. Zum Camp gehört ein großes Wasserloch, welches täglich von Elefanten besucht wird. Man kann sie vom angrenzenden Hide aus beobachten und... besonders spannend... von einem "Bunker" aus. Im Hide liegt der Einstieg zum Bunker. Man klettert eine Leiter hinab und durch einen unterirdischen Tunnel gelangt man bis direkt vor das Wasserloch.
Ziemlich heiß hier. Deutlich über 30 Grad. Suche mir einen Leseplatz am Beckenrand.
Elefantenparade im Mondschein.
Magnum, innerliche Abkühlung.
Und manchmal muss es etwas mehr sein ;)
Keine Häcker Küche, made in Germany, sondern unsere echt afrikanische Campingküche. Wenn man sich nicht gerade in abgelegener Wildnis befindet, hat man in manchen Camps sogar Stromanschluss; ein willkommender Luxus.
Unser Wachhund in der Thebe River Lodge in Kasungula. Passt rundum auf uns auf!
Wir reisen heute aus Botswana aus und zunächst nach Sambia ein. Ein Grenzübergang ist stets ein Abenteuer und nicht ganz preiswert. Co 2 Steuer, Straßenbenutzungsgebühr, Gemeindeabgaben und Autoversicherungen werden fällig. Ein aktueller PCR Test muss vorliegen und kostet auch 50 Dollar pro Person. Zusätzlich viel Papierkram, Stempel usw. Desinfizierung des Toyos und unserer Schuhe wegen Maul- und Klauenseuche und das Dollste....
Health body spray. Eine Ganzkörperdesinfektion. Nur der Kopf bleibt außen vor. Unfassbar!
Was die sich einfallen lassen!
Europa ist diesbezüglich deutlich einfacher zu bereisen. Offene Grenzen, einheitliche Währung. Sicher gibt es bei "uns" ebenso Merkwürdigkeiten aber das health body spray topt es.
Wir sind wieder in Livingstone am Sambesi, Waterfront. Nach Sonnenuntergang durchqueren Elefanten schwimmend den breiten Fluss.
Nachts haben wir besondere Tiererlebnisse. Ein Hippo und drei Elefanten ziehen durchs Camp. Was in der Wildnis normal ist, sorgt hier für Aufregung. Die städtischen Camps sind für Wildtiere interessant. Durch intensives Bewässern gibt es saftigen Rasen und Bäume mit Früchten. Die Natur rundum ist überwiegend ausgetrocknet. Durchaus verständlich, dass sich Hippos und Elefanten des nachts gerne an den Leckereien erfreuen wollen. Nur stellen sie in den, im Vergleich zu den offenen Camps in der Wildnis, engen städtischen Campsites eine Gefahr dar. Eine ungewollt zu nahe Mensch/Tierbegegnung kann für den Menschen unter Umständen schlecht ausgehen. Abgesehen vom materiellen Schaden, den Elefanten an Zäunen und Pflanzen anrichten können. Durch Trommeln, Rufen oder helle Scheinwerfer wird versucht, sie zu vertreiben. Ggf. werden, wie auch letzte Nacht, Ranger als Experten gerufen.
Alles ging letztlich gut aus. Das Hippo hat sich satt gefressen und ist wieder im Fluss verzogen. Die Elefanten haben ein paar Meter Zaum eingerissen und eine Palme umgelegt. Die Früchte mögen sie sehr gerne und selbst der längste Rüssel kommt nicht in die Spitze einer Palme. Wir hatten interessante Beobachtungen aus unserem Dachzelt. Soweit so gut.
Allerdings ist diese Begebenheit keine Ausnahme, sondern alltäglich, in einer Region, in der Menschen sich immer weiter ausgebreitet haben und nun im ständigen Konflikt mit den Wildtieren sind.